Herzlich willkommen im Land, wo der Pfeffer wächst. Denn das ist Chile allemal, auch wenn die Bedeutung des Namens sich nicht hundertprozentig auf den Chili zurückführen lässt. Und gepfeffert ist auch die Mentalität des Vielvölkerstaats. Es gibt einiges zu tun bis zum großen Tag des Auswanderns in das südamerikanische Land. Dazu gehört für jene unter euch, die noch kein Spanisch sprechen, auf jeden Fall ein Sprachkurs. Wer denkt, mit seinem Schulenglisch in Chile durchzukommen, kann das gerne versuchen, muss sich dann aber nicht wundern, wenn ihm dann so manches extrem spanisch vorkommt. Sprachkenntnisse sind die Grundbedingung für jeden Auswanderer, egal in welches Land er ziehen möchte. Aber mit Sprachkenntnissen alleine kommt der Emigrant nicht weit. Auf seinem Konto sollte sich so viel Bargeld befinden, dass er auf jeden Fall mindestens ein halbes Jahr ohne Einkünfte überleben kann. Es empfiehlt sich auch nicht, alle Brücken ins Heimatland rigoros abzubrechen oder dem ehemaligen Chef den Teufel und die Pest an den Hals zu wünschen. Für den größten anzunehmenden Unfall, nämlich die Rückkehr ins Heimatland, sollte immer ein Türchen offen stehen.
Wohl dem, der schon Freunde oder Bekannte in Chile hat. Er kann aus deren gesammelten, und nicht immer süßen Erfahrungen lernen und die schlimmsten Fehler schon im Vorfeld vermeiden.
Gesegnet ist auch der, den bereits ein neuer Job und eine möblierte Wohnung oder gar ein Haus in Chile erwarten, denn vor allem er kann sich glücklich preisen.
Für die anderen 99,99 Prozent hier ein paar Tipps, um böse Überraschungen zu vermeiden und den Traum vom Auswandern nicht wie eine Seifenblase platzen zu lassen.
Die Geschichte Chiles
Der Freistaat an der Pazifikküste Südamerikas kann auf eine lange und wechselvolle Geschichte zurückblicken. Seit fast fünfzehntausend Jahren wohnen Menschen im heutigen Staatsgebiet Chiles. Die Ureinwohner Chiles waren Indiovölker und im Laufe seiner Geschichte gehörte das chilenische Staatsgebiet zeitweise auch zum Inkareich. Ab 1540 nach Christus kolonialisierten spanische Seefahrer und deren Nachfahren das Land. Diese Herrschaft sollte fast dreihundert Jahre dauern und das Land für immer prägen. Die ersten Rufe nach Unabhängigkeit erschallten, als bedingt durch europäische Gegebenheiten Napoleons Bruder Joseph 1808 Vizekönig von Chile wurde. Der chilenische Nationalfeiertag ist der Tag der Junta am 18.9.1810. Nach den Wirren der Revolution wurde Bernardo O’Higgins 1818 der erste Präsident Chiles.
Das problematische Verhältnis zwischen Spanien und seinen zahlreichen südamerikanischen Kolonien mündete in immer wieder neue, bewaffnete Auseinandersetzungen, deren Ende erst 1883 durch Friedensverträge besiegelt wurde. Aber es gab neue Konflikte und Kriege, dieses Mal mit den peruanischen und bolivianischen Nachbarn, die meist um Rohstoffe wie Salpeter oder andere Ressourcen geführt wurden. Bürgerkriege innerhalb Chiles und ein Krieg mit Argentinien folgten um die Jahrhundertwende. Bis auf die Unterstützung der Alliierten im Jahr 1944 blieben die Chilenen im ersten und zweiten Weltkrieg neutral.
Nach demokratischen Jahren kam es unter Präsident Allende, der von eigener Hand starb, 1973 zum Militärputsch, der das dunkelste Kapitel in der chilenischen Geschichte einläutete.
Folter und Mord, Unterdrückung und Exil waren das Schicksal von hunderttausenden, aufrechten Chilenen. Ein Name stand für all dieses Unrecht, es war der Name des Generals Pinochet.
Seit 1988 herrscht wieder Demokratie in Chile, aber die Wunden, welche die Militärdiktatur geschlagen hatte, sind bis heute nicht ganz verheilt.
Geographisches, Land und Leute
In Chile herrscht vorwiegend ein mildes, mediterranes Klima. Allerdings ist das Land von Nord nach Süd von den Anden durchzogen, sodass es hoch in den Bergen natürlich deutlich kälter ist als am Meer. Wer einen Blick in den Himmel Chiles wagt, kann früher oder später einen der zahlreichen Riesenvögel entdecken, den mächtigen Andencondor.
Die chilenische Bevölkerung besteht zu einem hohen Prozentsatz aus Nachfahren von Spaniern, die sich mit den Ureinwohnern Chiles vermischt haben. Daneben gibt es immer noch viele indige Stämme, die sich nicht vollständig in das moderne Chile integriert haben. Und dann gibt es natürlich auch noch die Nachfahren vieler Europäer, wobei die Deutschen den größten Anteil an der Bevölkerung bilden. Diese Europäer wohnen meist in den südchilenischen Provinzen.
Wer in Chile leben möchte, muss gute Nerven mitbringen, die er nämlich spätestens beim nächsten Erdbeben gut gebrauchen kann. Chile liegt zwischen zwei tektonischen Erdplatten und somit sind Erdbeben dort keine Seltenheit. Immer wieder schlugen diese furchtbaren Katastrophen Schneisen der Verwüstung durch das Land.
Chile ist, bis auf ein paar Naturreligionen, fast durchweg vom römischen Katholizismus geprägt. Dem Einwanderer sei geraten, auf Glaube und Mentalität der Chilenen Rücksicht zu nehmen. Beispielsweise sind Abtreibungen strikt verboten und auch sonst hat der Katholizismus einen höheren Stellenwert als in vergleichbaren Staaten Europas.
Infrastruktur, Währung, Schulsystem und medizinische Versorgung
Da fast die Hälfte der Bevölkerung im Großraum der chilenischen Hauptstadt Santiago de Chile lebt, steht es mit der Infrastruktur im restlichen Land nicht ganz so gut. Selbst ausgebaute Straßen werden nicht so gepflegt, wie Europäer das gewohnt sind. Um spezielle Waren zu erwerben, muss man eventuell weite Wege in Kauf nehmen. Der Supermarkt um die Ecke ist in ländlichen Gebieten eher ein Glücksfall und die Ausnahme. Mit dem Bus zu reisen, ist immer noch ein kleines Abenteuer. Fahren wird er mit Sicherheit, aber ob noch Platz für den müden Passagier darinnen ist, bleibt fraglich. Sammeltaxis bilden in den Städten die Alternative und sind fast immer präsent.
Bezahlt wird in Chile mit dem Peso und man muss schon eine Menge dieser Peso umtauschen, um einen Euro zu erhalten. Tausend Peso haben in etwa den Wert von 1,50 Euro.
In Chile gilt die allgemeine Schulpflicht und diese beträgt zwölf Jahre. Seit ein paar Jahren herrscht unter bestimmten Bedingungen Lernmittelfreiheit. Allerdings schicken viele europäische Einwanderer iund gutsituierte Chilenen ihre Kinder in Privatschulen, um ihnen eine allumfassende Bildung zukommen zu lassen. Natürlich gibt es in den großen Städten Universitäten, unter anderem in Santiago de Chile, Concepción und Valparaíso.
Die medizinische Versorgung hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten enorm verbessert. Allerdings gilt auch hier wieder die Regel, dass in ländlichen Gebieten weniger Ärzte und Krankenhäuser zu finden sind. Ohne Auto hat man dort schlechte Karten, wenn man schnell zum Arzt muss. Es gilt fernen zu beachten, dass kein staatliches System der Krankenversicherung existiert. Jeder, außer den Angehörigen der chilenischen Streitkräfte, muss sich privat krankenversichern und Medikamente bezahlen. Lediglich für ältere, sozialschwache Chilenen gibt es eine Ausnahmeregelung.
Kulinarisches
Im chilenischen Haushalt gibt es gut und reichlich zu essen. Chilenen essen gerne Fleisch. Dazu kommen Gemüse und Salate auf den Tisch und reichlich Kartoffeln, Mais und Reis. Meeresfrüchte und Fisch sind im Angebot, haben aber im Speiseplan der Einwohner Chiles eher eine untergeordnete Stellung. Wer glaubt, in einem südamerikanischen Land nur besten Kaffee serviert zu bekommen, täuscht sich sehr. In den meisten Restaurants und Bars in Chile bekommt der Gast, der einen Kaffee trinken möchte – löslichen Pulverkaffee serviert. Sollte der Auswanderer von Beruf Barrista sein, wird sich die Jobsuche eventuell etwas schwierig gestalten. Mit viel Glück bekommt er eine Anstellung in einem der internationalen Hotels. Sehr wahrscheinlich aber muss er ganz schnell umsatteln, sonst sind die mitgebrachten Euro oder die bereits eingetauschten Peso bald alle.
Es gibt in Santiago de Chile allerdings eine Kaffeespezialität der ganz besonderen Art, den Café con pienas. Allerdings servieren diesen keine eingewanderten Barristas, sondern leicht bekleidete, einheimische Damen.
Wer sich biologisch ernähren möchte und das nötige Kleingeld dafür mitgebracht hat, kann neuerdings in den großen Supermärkten oder in Spezialläden biologische Lebensmittel kaufen. Weißbrot und weiße Brötchen werden überall in Chile gegessen und nur mit viel Glück findet man dunklere Brotvarianten.
In Chile essen zu gehen, ist normalerweise ein nicht sehr teurer Spaß. Wer neu im Lande ist sollte die Sache aber lieber langsam angehen, sonst verfolgt ihn die Rache Montezumas sogar bis nach Chile. Diese Vorsichtsmaßnahme gilt nicht nur anfangs für das chilenische Essen, sondern auch immer für Muscheln und unbedingt für das Trinkwasser. Hier ist der frohgemute Einwanderer mit Mineralwasser aus Flaschen und dem gänzlichen Verzicht auf frische Muscheln gut bedient, um nicht gleich das Innere eines chilenischen Krankenhauses näher kennen lernen zu müssen.
Was tun Chilenen in ihrer Freizeit?
Freizeitgestaltung ist, wie überall auf der Welt, auch in Chile eine Frage des Geldes. Da es dort nur eine dünne Mittelschicht gibt, kann man diese Frage auf verschiedene Arten beantworten.
Natürlich wird in Santiago de Chile, wie in jeder Metropole auf der Welt, einiges an Kunst und Kultur geboten. Wer aber nicht viel Geld hat und trotzdem Spaß haben möchte, wird die Liebe der Chilenen zu Musik entdecken. Lateinamerikanische Rhythmen sind es, die den Besucher und den Einwanderer in ihren Bann ziehen. In kleinen Clubs und Theatern spielen hervorragende Livebands und Theatergruppen für wenig Geld. Auch Konzerte in Parks oder einfach an der Straßenecke sind keine Seltenheit.
Ansonsten trifft man sich bei Freunden zu einem gemütlichen Abend oder bleibt gleich übers Wochenende.
Ist es in Chile gefährlich?
In Chile lebt und bewegt man sich sicherer als in den meisten Ländern Südamerikas. Dennoch sollte man vor allem in den Ballungszentren, an Bahnhöfen und im Gedrängel auf seinen Geldbeutel und die Papiere aufpassen. Aber das muss man auch in Berlin, Paris oder Zagreb. Man sollte sich nicht auf Gespräche mit zudringlichen Fremden einlassen und auch ansonsten nicht unbedingt durchblicken lassen, dass einem eben dieser Durchblick (noch) fehlt.
Wer nachts durch eine ihm unbekannte Gegend in Santiago de Chile oder Valparaíso tigert, braucht sich allerdings nicht zu wundern, im Krankenhaus oder vielleicht gar nicht mehr aufzuwachen.
Ansonsten haben viele Europäer ein schiefes Bild von dem, was sie in Chile erwartet. Das Straßenbild prägen nicht die Indios, sondern die Mehrheit der Chilenen sind ja Nachkommen von Europäern. So kommt der Neuling sich vielleicht nicht ganz so fremd und ausgeschlossen vor, wie er es vielleicht erwartet hatte.
Wie komme ich überhaupt dort hin, nach Chile?
Entweder man hat wirklich viel zu viel Geld und noch mehr Zeit, dann kann man eine Kreuzfahrt buchen und übers Meer nach Chile schippern. Den Seeweg könnte man, bei schmalerer Brieftasche, auch als Seemann oder Schiffsjunge auf einem Dampfer einschlagen. Normalerweise aber fliegt man nach Chile. Der Flug dauert von Mitteleuropa aus mit einer Zwischenlandung ungefähr sechzehn bis zwanzig Stunden. Direktflüge gibt es von Deutschland aus kaum. Chile besitzt etliche Flughäfen, so dass man von Santiago de Chile oder Valparaíso aus recht bequem in die Nähe seines Zielortes kommt.
Und was nehme ich mit?
Neben dem mindestens noch sechs Monate gültigen Reisepass empfiehlt es sich, zwischen Mai und August einen Regenschirm mitzunehmen, denn in Chile regnet es sehr oft. Natürlich kann man auch dort einen kaufen. Da Chile auf der Südhalbkugel liegt, ist es mit dem Klima genau umgekehrt wie bei uns. Wer im Hochsommer aus Europa los fliegt, hat nicht nur üblicherweise mit dem Jetlag zu kämpfen, sondern wird auch in seinem T-Shirt ganz schön bibbern, wenn er in Chile aus der Maschine steigt. Es empfiehlt sich also, sowohl Sommer- wie auch Winterkleidung mitzunehmen, sofern der Preis für das Übergepäck dies erlaubt. Den Impfpass sollte man sowieso mitnehmen und sich unter anderem vorher gegen Hepatitis A und B impfen lassen. Es gibt keine tropischen Krankheiten in Chile, aber gut geimpft zu sein, kann nicht schaden. Spezielle Tropenimpfungen sind für Chile nicht notwendig.
Frau und Kinder mitzunehmen, wäre auf jeden Fall eine gute Idee, falls man vor Ort Freunde oder Familie hat. Aber für Menschen, die dort niemanden kennen, lohnt es sich eventuell, wenn zunächst nur ein Familienmitglied fliegt, das die Gegebenheiten und eventuelle Probleme im Vorfeld sondiert. Besonders wenn man noch kein Quartier oder keine feste Zusage für den künftigen Job hat, kann sich das auszahlen. Eine Person ist flexibler und mobiler als die ganze Familie und ein Check der individuellen Lage kann vor finanziellen Verlusten und herben Enttäuschungen bewahren.
Lässt man mich rein, und darf ich bleiben?
Deutsche, Schweizer und Österreicher bekommen grundsätzlich eine Aufenthaltserlaubnis für drei Monate, danach erhalten sie vor Ort ein Visum, das bis zu einem Jahr gültig sein kann. Wer sich während dieser Zeit entschließt, dauerhaft in Chile zu bleiben, sollte sich so schnell wie möglich um die notwendigen Formalitäten kümmern. Er muss einen Antrag beim chilenischen Innenministerium stellen, um eine unbefristete Aufenthaltsgenehmigung zu bekommen. Außerdem muss der Antragsteller die Gründe für die Niederlassung glaubhaft darlegen. Er muss beweisen, dass er über ausreichende Geldmittel verfügt und darlegen, wovon er künftig den Lebensunterhalt bestreiten wird. Es gibt bestimmte Gegenden im Süden Chiles, wo Einwanderer besonders gerne gesehen sind und wo es staatliche Hilfsprogramme zur Besiedlung gibt.
Muss ich in Chile Steuern zahlen? Und darf ich eine Firma aufmachen?
In Chile muss jeder, der Geld verdient, Steuern zahlen. Das Steuersystem bewegt sich in ähnlichen Dimensionen wie das deutsche, allerdings ist es längst nicht so kompliziert. Die Einkommenssteuer ist gestaffelt und der Spitzensteuersatz liegt bei 48 Prozent.
Eine Firma in Chile zu gründen, ist relativ einfach. Allerdings sollten sich Neuankömmlinge unbedingt von einem Anwalt vor Ort beraten lassen und die notwendige Aufenthaltsgenehmigung bereits in der Tasche haben. Chile hat ein Außenhandelsabkommen mit der Europäischen Union, das die Gründung einer Filiale in Chile für eine bereits bestehende Firma in der EU enorm vereinfacht.
Wen kann ich fragen, schon bevor ich reise?
Die chilenischen Botschaften und Generalkonsulate beantworten gerne Fragen im Zusammenhang mit einem befristeten Aufenthalt oder bezüglich der Einwanderung nach Chile.
Das Internet bietet vielfältige Möglichkeiten, sich gründlich über Land und Leute zu informieren. In entsprechenden Foren gibt es zudem Angebote für Praktika und für offene Stellen. Die Agentur für Arbeit kann ebenfalls ein kompetenter Ansprechpartner sein und Jobs oder Au Pair Stellen vor Ort vermitteln. Ein weiteres Angebot zur Beratung gibt es beim Bundesaußenministerium. Zahlreiche deutsche Firmen haben Niederlassungen in Chile und eine Bewerbung um eine Stelle lohnt sich immer.

